Aktuelles

Sommer-Rundbrief 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Schwestern und Brüder,

für die nun beginnende schönste Zeit im Jahr gibt es bekanntlich viele Charakterisierungen, mit denen in Kurzform die je eigene Gefühls- und Stimmungslage vor Urlaubsbeginn beschrieben wird: "Abtauchen", "Reif für die Insel", "Auszeit", "Ferien von der Konsequenz des Alltags" "Erholung für Geist und Körper", "Neues und Fremdes erleben", "Träume wahr werden lassen", um nur einige zu nennen. Was immer ideell und materiell für das Urlaubsgepäck bereitgehalten wird und wo immer der Urlaub stattfindet: Als Vorstand unserer Synodalgruppe wünschen wir Ihnen/Dir eine erholsame und erfüllte Urlaubszeit! Möge die persönliche Erwartung erfüllt werden, die mit der schönsten Zeit im Jahr in Verbindung gebracht wird, darunter mindestens aber auch diese:

"Manchmal
träume ich davon
daß ich nicht immer
nur blühen muß,
sondern Zeit
Ruhe habe
um Kraft für neue Triebe
zu sammeln." (A. Schwarz)


Für die synodale Arbeit gilt es ebenfalls, in der "parlamentarischen Sommerpause" neue Kräfte zu sammeln. Nicht nur, weil das erste Synodenhalbjahr 2018 bereits herausfordernd genug war, sondern weil mit der Beratung des Verfassungsentwurfs im Lichte der Ergebnisse der umfassenden Anhörung einschließlich der mit dem Entwurf verbundenen weiteren Kirchengesetze und kirchlichen Verordnungen sowie mit der Beschlussfassung zum landeskirchlichen Haushalt für die Haushaltsjahre 2019 und 2020 auch im zweiten Synodenhalbjahr 2018 zwei sehr große Aufgaben vor uns stehen. In Atem halten werden uns im zweiten Halbjahr sicherlich auch z.B. die Beratungen zur Neuordnung der landeskirchlichen Baufachverwaltung oder der Ausbau des Predigerseminars in Loccum.

Gerade die letzte Plenartagung der Landessynode hat aber wieder einmal gezeigt, wie belastbar unserer Synodalgruppe ist. Offen, zuweilen auch hart, aber immer mit dem Ziel der Verständigung haben wir diskutiert, waren stets gut vorbereitet und konnten geschlossen im Plenum argumentieren, so etwa bei den schwierigen Fragen zur zukünftigen Finanzierung der Kindertagesstätten oder bei der Gestaltung der Eckpunkte zum Finanzausgleichsgesetz. Wesentliche Voraussetzung hierfür war und ist das hohe Engagement aller Mitglieder und Gäste in der Synodalgruppe "Gruppe Offene Kirche", und dafür dankt der Vorstand erneut ganz herzlich!

Die in den letzten Monaten und Wochen heftig geführte öffentliche Diskussion um den Reformationstag als zusätzlichen, staatlich anerkannten Feiertag ab dem 31. Oktober 2018 ist mit der Entscheidung des Niedersächsischen Landtages am 19. Juni 2018 in der letzten Plenarsitzung vor der Sommerpause beendet worden. Das Abstimmungsergebnis zugunsten des Reformationstages war mit 100 Ja-Stimmen, 20 Nein-Stimmen und 17 Enthaltungen am Ende dann doch recht eindeutig. Abweichende Anträge etwa zugunsten des Buß- und Bettages, des Tages des Grundgesetzes oder des Weltfrauentages fanden im Parlament nur geringen Wiederhall und wurden jeweils mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Landessynode hatte sich mit ihrem Beschluss vom 30. November 2017 schon frühzeitig für den Reformationstag als Feiertag ausgespro-chen.

Für die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen hat sich der Ratsvorsitzende, Landesbischof Meister, in einer Presseerklärung vom 19. Juni 2018 erfreut über die Parlamentsentscheidung gezeigt und allen gedankt, die sich für den Reformationstag als gesetzlichen Feiertag eingesetzt haben. Wörtlich heißt es in der Erklärung:
"Mit dem Reformationstag bekommt Niedersachsen einen Feiertag, der in seiner Gestaltung heraufordernd ist und große Chancen bietet, aber auch unbequem sein kann. Beim Reformationsjubiläum im vergangenen Jahr ist es gelungen, den 31. Oktober religionsübergreifend, ökumenisch und weltoffen zu begehen. Auch die kritische Auseinandersetzung mit theologischen Irrtümern der Reformatoren hat dabei einen breiten Raum eingenommen (…). Mit der Gestaltung des neuen gesetzlichen Feiertages werden wir daran anknüpfen (…). Über 2.000 Kirchengemeinden in ganz Niedersachsen sind Garant dafür, den neuen gesetzlichen Feiertag in diesem Sinne breit im ganzen Land zu begehen."

Nach der Entscheidung stehen wir also vor der Gestaltung! Neben den Reformationsgottesdiensten in den Kirchengemeinden und den Veranstaltungen in den Kirchenkreisen soll es am 30. Oktober 2018 in Hannover eine gesonderte Veranstaltung zum christlich-jüdischen Dialog geben und am Reformationstag selber einen zentralen Gottesdienst in der Marktkirche mit anschließendem Empfang, bei dem der Jurist und Rechtsphilosoph Herr Prof. Dr. Horst Dreier aus Würzburg einen Vortrag halten wird.

Zudem wird es aber wohl auch ein Nachdenken darüber geben müssen, wie wir als evangelische Kirche mit der Argumentation umgehen wollen, mit der sich die Vertretungen der katholischen Kirche sowie der jüdischen Verbände gegen den Reformationstag ausgesprochen haben.

Es bleibt zu hoffen, dass die Bereitschaft auch auf katholischer und jüdischer Seite weiterhin besteht, gemeinsam den Reformationstag als zukünftigen Feiertag zu gestalten, so wie dieses im Jubiläumsjahr der Reformation so eindrücklich gelungen ist.

In einem klugen Beitrag in der "ZEIT" vom 7. Juni 2018 plädiert der Autor für eine kopernikanische Wende in der Arbeitswelt. Sie bestehe darin, dass künftig die Arbeitsweise dem Lebensstil angepasst werde und nicht mehr der Lebensstil der Arbeitsweise. Die neue Währung für Wohlstand und gutes Leben solle nicht mehr das Jahreseinkommen in Geld sein, sondern in Zeit! Die Höhe des Jahreseinkommens in Zeit statt in Geld müsse zum Statussymbol der zukünftigen Gesellschaft werden.

Ob der Autor dabei auch an das "Jahr der Freiräume" gedacht hat, welches wir im nächsten Jahr begehen wollen, weiß ich nicht. Für die nun anbrechende Urlaubszeit sind seine Gedanken aber unmittelbar einleuchtend. Im Namen des Vorstands der Synodalgruppe "Gruppe Offene Kirche" wünsche ich Ihnen/Dir für den Urlaub einen Lebensstil, der sich hinsichtlich der üblichen Arbeitsweise unangepasst zeigt, dessen Statussymbol die Zeit ist und der Anlass gibt, jeden neuen Tag mit den Worten aus dem "Morgenlob aus Afrika" zu begrüßen:

"Herr, ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel.
Ein neuer Tag, der glitzert und knistert,
knallt und jubiliert von deiner Liebe.
Jeden Tag machst du. Halleluja, Herr."

Ich freue mich auf das Wiedersehen und die Begegnungen nach der Sommerpause im Rahmen der gemeinsamen synodalen Arbeit. Bleiben Sie, bleib Du bis dahin behütet!

von Rolf Bade
Vorsitzender der Synodalgruppe