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Rundbriefe:

Weihnachtsrundbrief 2017/18

an Mietglieder und Gäste der Synodalgruppe "Gruppe Offene Kirche"

von Rolf Bade
Vorsitzender der Synodalgruppe

Rückblick und gute Wünsche

Liebe Mitglieder und Gäste der Synodalgruppe "Gruppe Offene Kirche", liebe Schwestern und Brüder,

der Vorstand unserer Gruppe wünscht Ihnen/Euch eine besinnliche und frohe Advents- und Weihnachtszeit
sowie einen guten Übergang in das neue Jahr 2018.
Advents- und Weihnachtszeit

Wie kaum eine andere Jahreszeit ist die Advents- und Weihnachtszeit eine Zeit für besinnliche und nachdenkliche Erzählungen, in denen die uns berührenden existentiellen Fragen angesprochen und ins Zentrum gerückt werden. Dies gilt nicht nur für die Weihnachtserzählung, sondern auch für andere Erzählungen, zum Beispiel für die des amerikanischen Schriftstellers Paul Auster, zu finden im diesjährigen Kalender "Der andere Advent". Sie handelt davon, wie der alte Verkäufer eines kleinen Zigarettengeschäfts zwölf Jahre lang jeden Morgen um Punkt 7 Uhr an der Kreuzung der beiden Straßen, an der sich sein Laden befindet, mit einem Fotoapparat steht und jeweils genau aus demselben Blickwinkle ein Foto von der Kreuzung aufnimmt; mittlerweile sind so inzwischen viertausend Fotografien, jeweils nach 1. Januar bis 31. Dezember geordnet und in zwölf Alben eingeklebt, entstanden.
Eines Tages lässt sich der Ich-Erzähler überreden, die Alben anzuschauen. Erstaunt und irritiert blättert er die ersten beiden angesichts der ständigen Wiederholungen zügig durch. "Die Bilder glichen sich aufs Haar. Das ganze Projekt war ein betäubender Anblick von Wiederholungen … ein anhaltendes Delirium redundanter Bilder." Aus lauter Höflichkeit heuchelt er gleichwohl Anerkennung. "Sie sind zu schnell", sagt da der Ladenbesitzer. "Wenn Sie nicht langsamer machen, werden Sie nie dahinterkommen."
Und dann erzählt die Geschichte, wie der Betrachter langsam beginnt zu sehen: Die Unterschiede
im Verkehrsfluss, die Gesichter der Leute im Hintergrund, die Passanten auf dem Weg zur Arbeit, ihre wechselnden Haltungen von einem Morgen zum anderen. Hier ist ein kleiner Augenblick des Lebens, ein Augenblick der natürlichen und der menschlichen Zeit, im Blickfeld der Kamera festgehalten. Als ob jemand jeden Morgen Wache über diesen winzigen Winkel der Welt hält. Der Ladenbesitzer lächelt vergnügt in sich hinein als er merkt, wie der Betrachter von den Bildern gefesselt wird.

Möge Ihnen/Euch in der Advents- und Weihnachtszeit eine vergleichbare Erzählung begegnen, die Anlass bietet, die umtriebige Flüchtigkeit im Alltag für einen Moment zu unterbrechen, innezuhalten, genauer hinzuschauen, Stimmungen und Haltungen "im Zwischen" der Menschen wahrzunehmen, Veränderungen in der uns umgebenden Natur Aufmerksamkeit zu schenken. Und möge dies nicht erst am 24. Dezember beim Hören der großen Weihnachtserzählung geschehen. Doch wenn nicht vorher, zumindest dann.

Rückblick auf das Synodenjahr 2017

Das Jahr 2017 war in unseren Kirchengemeinden, Kirchenkreisen, Sprengeln und in der Landeskirche sowie in den vielen kirchlichen Einrichtungen geprägt von den zahlreichen Veranstaltungen und Angeboten anlässlich des Reformationsjubiläums. Vor allem auch der übergroße Kirchenbesuch am 31. Oktober 2017 hat bestätigt, welchen hohen Stellenwert das Anliegen der Reformation im Denken und Handeln der Menschen im 21. Jahrhundert nach wie vor besitzt. Im Sinne des Beschlusses der Landessynode zum Reformationstag wäre es deshalb durchaus folgerichtig, wenn der Reformationstag als staatlich anerkannter Feiertag in Niedersachsen eingeführt werden würde. Wir alle haben uns an der einen oder anderen Stelle für die Gestaltung des Jubiläums engagiert, an Gottesdiensten und Veranstaltungen teilgenommen, viele von uns sind nach Wittenberg "gepilgert", und wir haben kräftige Ermutigung erfahren. Die von der Landessynode bereitgestellten Haushaltsmittel für das Reformationsjubiläum waren deshalb auch insoweit gut angelegt.

Im Mittelpunkt der synodalen Beratungen in diesem Jahr standen zweifellos die Beschlüsse der Landessynode zum Verfassungsentwurf. Nicht nur die intensive Diskussion in der Synode selber, sondern auch die ausführliche Kommentierung einzelner Verfassungsartikel auf der Internetseite www.kirchenverfassung2020.de sowie die fast 70 Veranstaltungen in den Kirchenkreistagen und Kirchenkreiskonferenzen, bei denen der Entwurf durch Mitglieder des Verfassungsausschusses vorgestellt worden ist, zeigen, dass mit dem Entwurf zentrale Aspekte von Kirche im 21. Jahrhundert aufgegriffen und zur Debatte gestellt werden. Dabei konzentriert sich die Debatte insbesondere auf die theologischen Begründungen in der Präambel sowie in den Artikeln 1 bis 13, das Mitgliedschaftsrecht in Artikel 7, die Verkündigungsaufgabe für alle Kirchenmitglieder und Dienste im Verhältnis zum Amt der öffentlichen Wortverkündigung in den Artikeln 11 und 12, das Gemeindeverständnis in den Artikeln 3 und 17 oder die Aufgabe des Kirchenkreises als Kirche in Artikel 29. Deutlich weniger Diskussionen gibt es hingegen zu den Teilen 4 bis 6 des Verfassungsentwurfs, also zu den kirchenleitenden Organen, zu den besonderen Formen kirchlichen Lebens und der theologischen Forschung und Lehre sowie zur Rechtssetzung, Rechtspflege und Finanzverfassung. Der Verfassungsausschuss steht nun vor der großen Aufgabe, einen geänderten Verfassungsentwurf im kommenden Jahr vorzulegen, der
die vielen Voten und Stellungnahmen berücksichtigt und der Landessynode ermöglicht, die Änderungsvorschläge in diesem "zweiten Entwurf" nachzuvollziehen und zu beraten.

Auf dem Tag der Landessynode in Osnabrück im vergangenen Jahr wurde das Wort zur "Kirche des gerechten Friedens" beraten und beschlossen. Die in Aussicht gestellten finanziellen Mittel zur Konkretion wurden nun in der Novembertagung verabschiedet und die Kriterien für deren Vergabe festgelegt. Hoffentlich erhält der Vergabeausschuss zahlreiche Anträge, durch die die "Kirche des gerechten Friedens" Gestalt gewinnt.

Über die Verfassungsüberlegungen hinaus hat die Synode das Thema der "Zukunft der Kirche" grundlegend aufgegriffen und die Weichen dafür gestellt, dass dieses Thema in der 26. Landessynode zu einem zentralen, alle kirchenleitenden Organe betreffenden Thema gemacht wird. Es war sehr eindrücklich, mit welcher inhaltlichen Klarheit der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Herr Prof. Dr. Papier, die Bedeutung der Religionsgemeinschaften für den Zusammenhalt der Zivilgesellschaft hervorhob und wie offensiv der Vizepräsident des Amtes der EKD, Herr Dr. Gorski, für ein erweitertes Verständnis von Theologie und Kirche angesichts der globalisierten und digitalisierten Welt warb.

Der Landesbischof hat mit seinen Ausführungen zur "Zukunft der Ehe und den Grenzen der
Geschlechter" sowie seiner Entschuldigung gegenüber allen homosexuellen Mitgliedern unserer Kirche für die Diskriminierungen, die sie durch die Kirche erlitten haben, in der Novembertagung ein Kapitel in unserer Kirche abgeschlossen, um das lange und intensiv gerungen wurde. Auch sein klares Ja auf die Frage aus den Reihen der Synode, ob denn die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren eine Trauung sei, trägt zu diesem Abschluss bei. In der Synodalgruppe "Gruppe Offene Kirche", die viele Jahre für eine solche klare Haltung in der Frage gestritten und sich immer wieder gegen innerkirchliche Diskriminierungen gewandt hat, sind die Ausführungen des Landesbischofs besonders aufmerksam registriert worden.

Der Vorstand unserer Synodalgruppe bedankt sich sehr herzlich bei allen Gruppenmitgliedern und Gästen für die engagierte Mitwirkung in den Ausschüssen und Plenartagungen der Landessynode sowie in den Tagungen der Synodalgruppe im nun ablaufenden Synodenjahr 2017. Als "GOK" haben wir - überwiegend einvernehmlich im Zusammenwirken mit der anderen Synodalgruppe - auch in diesem Jahr wieder viel erreicht. Das ist ganz überwiegend und in erster Linie Ihrem/Eurem Engagement zu verdanken!

Ausblick und Neujahr

Zahlreiche Themen hat die Landessynode in diesem Jahr schon auf den Weg gebracht und wird sie im nächsten Jahr aufgreifen. Zu nennen sind u. a. die Schwerpunkte des landeskirchlichen Kommunikationskonzeptes und die Ausstattung des IT-Konzeptes, die Gestaltung des neuen Planungszeitraums 2023 bis 2026 einschließlich des dazugehörenden Finanzausgleichs, die Konzeption zur Finanzierung der Kindertagestätten, die Neuordnung der kirchlichen Bauverwaltung oder die Änderung zahlreicher Gesetze und Ordnungen als Ergebnis einer neuen Verfassung, so etwa die Kirchengemeinde – und die Kirchenkreisordnung oder das Gesetz über die Wahl und die Amtszeit der Superintendenten und Superintendentinnen. Auch im kommenden Jahr wird es also der Landessynode an Beratungsgegenständen nicht mangeln, zumal dann noch die Auswertungen der Kirchenvorstandswahlen anstehen und der Haushalt 2019/2020 zu verabschieden ist, für den bereits jetzt schon zahlreiche Wünsche aus
den Ausschüssen angemeldet worden sind.

Die Termine für die kommenden Gruppensitzungen sollten deshalb im neuen Jahreskalender bereits vorgemerkt werden:

  • 5. Mai
  • 29./30. Mai,
  • 17. November 
  • 26./27. November 2018.

Doch zunächst will das neue Jahr 2018 erreicht werden. Gut, dass wir dabei auf die folgenden Worte vertrauen dürfen:

"Er ist schon da!
Der dich getragen, geprägt, geführt und befreit hat.
Er ist schon dort.
Geh mit ihm.
Erfahr ihn, wie du es nie geglaubt.
Er ist schon dort.
Der dich in Ungeahntes, Neues führt.
Er ist schon dort.
Geh – du bist nicht verlassen."
(Bernhard von Clairvaux)

Im Namen des Vorstandes wünsche ich Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit, ein frohes Fest und ein gutes neues Jahr 2018!

 

 

Tagungen 2018

10. Februar 2018 - Studientag zum Thema "Christen und Judentum in der Verfassung der Landeskirche"

  • Für die Mitglieder der Landessynode
  • Studientag zum Thema "Christen und Judentum in der Verfassung der Landeskirche"
  • 10. Februar 2018 in der Zeit von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr
  • Tagungsort: in Hannover EKD-Zentrale oder Stephansstift
  • Näheres zum Ablauf dieses Tages sowie eine Einladung hierzu ergeht rechtzeitig.
  • Der Anlass für die Durchführung dieses Studientages ist die Aussage zur Judenmission, wie sie im Verfassungsentwurf in Art. 4 Abs. 6 Satz 2 vorgeschlagen worden ist.
  • Ziel des Studientags ist es, zur Problematik der Judenmission ausführlichere Informationen zu erhalten und verschiedene Positionen kennenzulernen.
  • Es soll die Meinungsbildung in der Landessynode auf eine breitere Information gestützt werden.  
  • Bitte: Termin fest im Kalender eintragen.