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XII. Tagung der 25. Synode

Synodaltagung im Mai 2019

Größte deutsche Landeskirche beschließt neue Verfassung

Großen Raum nahm für die 80 Kirchenparlamentarier in der Frühjahrssynode die Abstimmung über die neue Verfassung ein, die am 1.1.20 in Kraft treten soll. Die bisherige Kirchenverfassung stammt aus 1965. Die Neufassung soll die Grundlage der kirchlichen Arbeit besser an die gesellschaftlichen Bedingungen der Gegenwart anpassen (Jugendliche erlangen mehr Beteiligung, neben die traditionellen Ortsgemeinden tritt die themenorientierte Personalgemeinde). Die neue Verfassung beschreibt deutlicher als bisher die theologischen Grundlagen der evangelischen Landeskirche Hannover und ihr Verhältnis zum demokratischen Rechtsstaat. Neu gefasst wurde die enge Verbindung der Kirche zum Judentum. Die feierliche Unterzeichnung der Verfassung erfolgte von allen Synoden-, Kolleg-, Senats- und Bischofsratsmitgliedern.

LSA-Bericht

Die Freiburger Studie 2060 prognostiziert eine Absenkung von Kirchengliedern von jetzt 2,6 Mio. auf nur noch 1,2 Mio.. Die Personal- und Mitgliederstruktur, Gebäude, Inhalte werden sich verändern. Wir können nicht den Grundtrend umdrehen, aber wir können die Absinkhöhen beeinflussen. Die Stellschrauben liegen bei den Taufen und Eintrittszahlen. „Beziehungspflege und Dienstleistungsmentalität sind Stichworte auf diesem Weg“, so Landessynodalausschussvorsitzender Surborg. Mit den Überschüssen aus 2018 konnten die Versorgungslücken der Pensions- und Alterssicherungskassen vollständig ausfinanziert werden. Über die bereits im Haushalt 2019/20 beschlossenen nach FAG Kriterien auszuschüttenden 15 Mio. hinaus, werden weitere 10 Mio. den Planungsbereichen zugewiesen, die an die Kirchenkreise und Kirchengemeinden gehen. Auch Kirchengemeinden und Kirchenkreise sollen die Möglichkeit erhalten sich wetterfest zu machen. Günstigenfalls können Innovationen auch auf diesen Ebenen in Eigenverantwortung in den Blick genommen werden.

Bischofsbericht

Landesbischof Meister stellte sich hinter die Klimaschutz Bewegung „Fridays for future“. Während seines Berichtes überließ er erstmals zwei Gastrednerinnen das Wort. Die „Fridays for future“ Aktivistinnen forderten die Landessynode auf, sich mehr als bisher aktiv für den Klimaschutz zu engagieren. „Gemeinsam können wir es schaffen“ . Im Blick auf sinkende Mitgliederzahlen in den Kirchen forderte Meister auf, selbstkritisch ihre Traditionen zu reflektieren. Er bezog sich auf die aktuelle Feiburger Studie. Meister richtete den Weckruf an den „Apparat Kirche“ und forderte „Sprunginnovationen“ in folgenden Feldern:

  • Die Kirchenorganisation hat momentan noch viel staatsanaloges. Flexibilität, Schnelligkeit und Freiheit verlangt Änderung.
  • Die zwanghafte Verpflichtung des parochialen Prinzips in der Fläche hindert am stärksten Innovation.
  • In der kolossalen Veränderung durch Digitalisierung aller Lebensbereiche findet Kirche einen neuen universellen Ort.

Homosexueller Weg zum Traualtar sofort

Künftig werden gleichgeschlechtliche Paare vor dem Traualtar genauso behandelt wie Paare von Mann und Frau. Beide Formen sind völlig gleichgestellt. Mit der liturgischen Handreichung reagiert die Landeskirche auf die Entscheidung des Bundestages zur „Ehe für alle“ vom 20.6.17. Seit 2014 gab es in der Landeskirche bereits öffentliche Gottesdienste zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Seit 2002 waren bereits Fürbittandachten üblich. Der Gewissenvorbehalt bleibt.

Klimaschutz

Der Weltbiodiversitätsrat veröffentlicht erschreckende Ergebnisse zum Ausmaß des durch uns verursachten Artensterbens. Der Landesbischof hat in seinem Bericht das Thema Klimaschutz aufgegriffen und zwei Vertreterinnen der „Fridays for future“ Bewegung zu Wort kommen lassen. Der Bericht des Umwelt- und Bauausschusses nimmt Bezug auf folgende Themen: Kompensation unvermeidbarer Treibhausgase, Erfassung von klimaschutzrelevanten Daten, Gebäude, Beschaffung, Mobilität, Landnutzung, Klimaschutz in Kitas. Der synodale Fachausschuss wird sich weiterhin intensiv des Themas annehmen.

Theologische Ausbildung

Vor allen Dingen folgende Punkte wurden kontrovers diskutiert:

  • Alte Sprachen ein Abschreckungspotential oder für das Verständnis des Hintergrundes ein Gewinn?
  • Quereinstieg als größte Landeskirche der EKD den anderen überlassen? (z.B. Wuppertal, Heidelberg, Marburg, Neu Dettelsau) Die Fakultät Göttingen hat den Quereinstieg u.a. wegen fehlender Rahmenordnung abgelehnt.
  • Soll die Länge der Theologieausbildung auch im Hinblick auf den Bedarf oder nur im Hinblick auf die Qualität betrachtet werden?(Analogie zur Lehramtsausbildung)

Neuordnung der landeskirchlichen Baufachverwaltung

OLKR Schmidt: “Baufachverwaltung und kein Ende – ein vorläufiges ist jetzt in Sicht.“ Ca. 8.000 Gebäude sind seit Jahren in der Landeskirche existent. Die Gebäudezahl wird sich der kirchlichen Wirklichkeit anpassen müssen. Ein qualitätvolles, effizientes Bauen muss das Ziel sein. Das Modell des regionalen Baufachzentrums hat sich als zu erprobendes Pilotprojekt durchgesetzt. Auf der Basis der gegenwärtigen Struktur der Ämter für Bau- und Kunstpflege wird das Modell des regionalen Baufachzentrums angedockt.

  • Bauen für den Kunden, die Gemeinden und Kirchenkreise, aus einer Hand
  • größere Verwaltungseinheiten (Bürogrößen von 6 bis 10 Mitarbeitern) handeln effizienter und wirtschaftlicher
  • Vertretungs- und Aushilfemöglichkeiten ebenso wie Dienst- und Fachaufsicht vor Ort sind möglich
  • Steuerungsfunktion wie z.B. die Priorisierung der Maßnahmen übernehmen örtliche Baukommissionen

Über allem steht ein angestrebtes Verhältnis von 30% Eigenanteil zu 70% Fremdvergabe von Baubetreuung, um kirchliche Baukompetenz zu erhalten. Für den 30% Eigenanteil soll das regionale Baufachzentrum tätig werden. Der Erprobungszeitraum des Pilotprojektes an einem Standort ist auf 3 Jahre festgelegt.

Die Grundsätze für die Gestaltung von Beteiligungsverfahren

... sind Ausfluss aus dem intensiven Verfassungsprozess. „Beteiligung ist Zwilling von Subsidiarität“, so Präsidentin Dr. Springer. Informationspflicht, Anhörungs- und Stellungnahmeverfahren sind Eckpunkte der Grundsätze. Für die inhaltlichen Eckpunkte einer künftigen KKO findet das Beteiligungsverfahren Anwendung. Den Kirchenkreisen wurde das Beteiligungsverfahren bereits angekündigt. Das Kumulationsverfahren bei der KKV Wahl, die Quotenregelung 40% Frauen, 40% Männer, 20% Jugendliche sind neuralgische Punkte der künftigen KKO.

Hannoversche Landessynode zu Gast in Braunschweig

Zum Abschluss der Synodentagung am Samstag reiste die Synode nach Braunschweig, um gemeinsam mit der Synode der braunschweigischen Landeskirche im dortigen theologischen Zentrum zu tagen. Der Bericht des Direktors des ELM, Michael Thiel, stand vormittags auf dem Programm und nachmittags erfuhren die Teilnehmer alles Wissenswerte über die inhaltliche Arbeit der Konföderation von OLKR Gäffgen Track und Radtke.

Gunda Dröge, 20. Mai 2019