I. Tagung der 26. Landessynode

Schlaglichter der 1. Tagung der 26. Landessynode im Februar in Hannover

Die neue Landessynode ist jünger und weiblicher als die vorherigen. Das Durchschnittsalter der Synodalen liegt bei 48,3 Jahren – in der 25. Landessynode waren es 53 Jahre. Von den 80 Synodalen sind 38 Männer und 42 Frauen. 13 Mitglieder sind 30 Jahre alt und jünger.  Im Mittelpunkt der 1. Tagung stand die Bildung der Ausschüsse und deren Besetzung, um rasch arbeitsfähig zu werden und die synodale Arbeit Fahrt aufnehmen zu lassen. Neben dem Präsidium und dem Landessynodalausschuss wurden 13 Ausschüsse gebildet: Ausschuss für kirchliche Mitarbeit, Ausschuss für Kirchenmusik und Kultur, Ausschuss für Mission und Ökumene, Ausschuss für Theologie und Kirche, Bildungsausschuss, Diakonieausschuss, Finanzausschuss, Geschäftsausschuss, Jugendausschuss, Öffentlichkeitsausschuss, Planungs- und Umwelt- und Bauausschuss.

Im Landessynodalausschuss-Bericht von Jörn Surborg wurde auf folgende Punkte besonders eingegangen:

  • Kirche muss sich ein Institutionsversagen in den Fällen sexualisierter Gewalt vorwerfen lassen. Seit 2010 hat dieses Thema großes Erschrecken hervorgerufen. Seither ist in Prävention, Intervention und Aufarbeitung viel geschehen. Die Erstellung von Schutzkonzepten der kirchlichen Körperschaften steht als nächstes an. Sie beginnt im Jahr 2020 und soll bis zum 31.12.24 abgeschlossen sein. Bis zu diesem Zeitpunkt soll auch eine erstmalige Fortbildung aller beruflichen und ehrenamtlichen Mitarbeitenden in den kirchlichen Körperschaften abgeschlossen sein. Bei den Ehrenamtlichen ist an die leitenden Ehrenamtlichen z.B. in den Kirchenvorständen und die Ehrenamtlichen, die im Kinder- und Jugendbereich tätig sind, gedacht. Wir stellen uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung als Institution.
  • In 1.600 kirchlichen Körperschaften werden jetzt zeitnah zur Änderung des Umsatzsteuerrechtes ab dem Jahr 2021 Informationsveranstaltungen in der Fläche angeboten. Die Kirchenämter organisieren die Veranstaltungen mit externen Fachleuten, die das Landeskirchenamt beauftragt. Es besteht Unsicherheit bei der Haftungsfrage. Grundsätzlich ist jedes verantwortliche Organ, in aller Regel der Kirchenvorstand, haftbar. Es gibt die Freistellungsgrenze von 17.500,00 € pro Jahr. Dem Finanzamt muss man allerdings nachweisen, dass man unter der Freigrenze liegt. An dieser Stelle muss ein System aufgelegt werden, dass diesen Nachweis für jede kirchliche Körperschaft erbringen kann. Das Landeskirchenamt arbeitet daran.

Die Ermordungen in Hanau fielen in die Sitzungszeit. Aufgabe der Kirche, so Bischof Meister unmittelbar vor seinem Bischofsbericht, ist zu aller erst das Gebet und Gedenken. Für Freitagabend rief das Bündnis „bunt statt braun“ zur Mahnwache vor der Marktkirche auf. Viele der Synodalen fand sich dort ein. 

Bischof Meister startete in seinen Bericht mit Eindrücken aus dem synodalen Weg in der katholischen Kirche. „Beide Kirchen leiden nicht zuerst an geringer werdenden Mitgliederzahlen“, so Meister. „...fehlende Glaubwürdigkeit unseres Redens und Handelns erscheinen gewichtig zu sein, ebenso wie religiöse Sprachlosigkeit… Wir sollten offensiv gemeinsame Wege suchen in Form partizipativer Kirchengestaltung mutig in ökumenischer Weite“. Bischof Meister schlug dann einen Bogen zur über 150 Jahre währenden Synodengeschichte der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers.  Die Arbeitsweise der beiden Gruppen „Gruppe Offene Kirche“ und Gruppe „lebendig-vielfältig-Kirche“ waren Gegenstand seiner Betrachtungen.

„In der Synode kommen die unterschiedlichsten Menschen zusammen. Zuhören und gemeinsam Lösungen suchen und am Ende gehen alle auseinander und haben eine Vereinbarung, soweit lautet der Auftrag“ so Meister. Der Bischof mahnte an: „es gibt hier keine Parteien…auch keine Fraktionen…Entscheidungen fallen hier im Plenum und nicht in Vorab-Absprachen“.  Die Synode antwortete: Es gilt den Minderheitenschutz zu gewährleisten. Es wird sehr um Transparenz in der synodalen Arbeit gerungen. Am Ende dieser 1. Tagung im Februar 2020 standen die Ausschüsse mit ihren Mitgliedern fest. Das Verfahren war mit größtmöglicher Transparenz in den beiden Gruppen „Gruppe Offene Kirche“ und Gruppe „lebendig, vielfältig, Kirche“ und im Miteinander der Gruppen untereinander geführt worden. Die Bedenken des Bischofs konnten von der Synodengemeinschaft nicht geteilt werden.

Der Landeskirchenamtsbericht der Präsidentin Frau Dr. Springer startete mit dem Hinweis auf die „Freiburger Studie“. Es folgten die strategischen Herausforderungen und Arbeitsschwerpunkte der nächsten Jahre. Abschließend ging es um die Gestaltung des Transformationsprozesses. Wir stehen vor spannenden Herausforderungen in den nächsten 6 Jahren.

Regionalbischöfin Dr. Birgit Klostermeier (Osnabrück) wurde nach 5 Jahren im Amt in den Ruhestand verabschiedet. 

Der Abt zu Loccum, Dr. Horst Hirschler war seit 1971 in der Synode. Zunächst als Synodaler, ab 1977 als  Landessuperintendent von Göttingen auf der Bank des Bischofsrates, ab 1988 als Landesbischof und schließlich seit 1999 als Abt zu Loccum, der verfassungsmäßig einen Sitz in der Landessynode inne hatte. Abt Hirschler tritt zum 9. Mai 2020 als Abt von Loccum zurück und Bischof Meister wird dieses Amt übernehmen. Der Synodensitz des Abtes zu Loccum ist in der neuen Verfassung nicht mehr vorgesehen – um mit Bischof Meisters Worten zu sprechen „eine Ära geht zu Ende“. Mit Standing Ovations verabschiedete sich die Synode von ihrem synodalen Urgestein Abt Hirschler.

Gunda Dröge, den 22. Februar 2020