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Foto: hsd

Synodensplitter – Frühjahrssynode 2018

Wird der Reformationstag ein neuer Feiertag in Niedersachsen?

Wenn er denn kommen sollte, wird es Aufgabe sein, “ die weitere DNA in den Reformationstag einzubringen, das Miteinander über Kirche, Staat und Gesellschaft einzutragen, “ so Bischof Meister. …“die katholische Sicht ist bedauerlich. Wir lassen nicht nach, an dem guten ökumenischen Verhältnis zu arbeiten. …Auch was im Verhältnis zu den Juden über Jahrzehnte gewachsen ist, wollen wir uns nicht zerschmettern lassen. … Der Reformationstag als gesetzlicher Feiertag bietet die Chance, das historische Erbe in die Gegenwart zu übersetzen. Der Feiertag möchte einen toleranten, dialogischen und pluralitätsfähigen Umgang der Religionen, Konfessionen und Weltanschauungen untereinander fördern. Ein gesetzlicher Feiertag braucht eine breite inhaltliche Grundlage und er braucht Institutionen, die ihn verantwortlich gestalten.“ Bischof Meister nahm am 31.5. an der Anhörung im Innenausschuss im Landtag als einer von 24 Redebeiträgen teil und vertrat die Haltung der ev. Kirche hervorragend.

Wie steht es um die Finanzen?

Die Kirchensteuereinnahmen verzeichneten im vergangenen Jahr ein Plus von 24,3 Mio €. Trotzdem weist der Jahresabschluss ein Minus von 85,2 Mio € aus. Die Gegenüberstellung der Erträge von 629,2 Mio € zu den Aufwendungen von 714,4 Mio € ergibt ein negatives Ergebnis von 85,2 Mio €, was im Wesentlichen an der Erhöhung der sonstigen Aufwendungen um 80,3 Mio € liegt. Die Rückstellungen für Beihilfeverpflichtungen der öffentlich rechtlich Beschäftigten, die bereits im Ruhestand sind, machen den größten Teil aus. Immerhin konnten so bereits ca. 800 Mio € von insgesamt 845 Mio € insgesamt erforderlicher Rückstellungen erbracht werden.

Wie steht es mit der Personalsituation bei den Pastoren und Pastorinnen?

Aktuell besteht noch keine Vakanznot. Der Pool der beweglichen Stellen von 120 wird auch weiterhin benötigt. Sie kommen direkt den Kirchengemeinden und Kirchenkreisen zugute. Ein Großteil der Stellen dient dazu Vertretungsaufgaben, um gesundheitliche Belastungssituationen vor allem in der Gruppe der Pastorenschaft ab Mitte 50, abzufedern. Darüber hinaus dient dieser Pool als Einstellungskorridor. Bei den Funktionspfarrstellen wird von 294 auf 290 zurückgefahren. Das Landeskirchenamt wird zudem gebeten zu überprüfen, ob Funktionspfarrstellen künftig generell einen Gemeindeanteil enthalten können. Die Rückkehr in die Tätigkeit in die Gemeinden soll die Regel sein.

Wie ist der Stand der Neustrukturierung der Baufachverwaltung ?

Die Landeskirche hat einen Bestand von ca. 8.000 Gebäuden. „Bautätigkeit hat eine riesengroße Bedeutung für Landeskirche.“ So OLKR Schmidt. „Bei dem permanenten Baubedarf wird es mittelfristig bleiben. Das liegt u. a. an der Aktivität des Gebäudemanagements und am Instandhaltungsstau. In der Vergangenheit ist der Baubereich eher stiefmütterlich behandelt worden. Der Druck auf die Ämter für Bau- und Kunstpflege und die Fachleute in den Kirchenkreisen steigt. Das Projekt „Neustrukturierung der Baufachverwaltung“ läuft. Die Projektgruppe arbeitet aktuell zu den Themen:
Wie wirkt sich die Einrichtung von Baufachzentren zu der Steuerungskompetenz der Kirchenkreise aus? – im Wesentlichen eine Frage der Vernetzung
Wie geht man mit seit 1997 entstandenen Lösungen in den Kirchenkreisen um? – Hier wird es Öffnungslösungen und Übergangsregelungen geben müssen
Wie kann die Beteiligung der Kirchenkreise im Prozess der Neustrukturierung gelingen? – es gibt bislang keine dafür vorgegebene Struktur. Wie eine umfassende Beteiligung der Kirchenkreise vor einer Entscheidung stattfinden kann, wird die Projektgruppe bearbeiten.
Wie sieht es mit dem Stellenbedarf aus? Es handelt sich nur um die Behandlung einer Grundstruktur von 30 % der gesamten Bautätigkeit. Die Bautätigkeit ganz auszulagern ist keine Option, da eigenes Personal erhalten bleiben muss, um kompetenter Gesprächspartner in Baufragen sein zu können. Der Stellenbedarf sieht 90 Vollzeitstellen vor. Das ist in etwa der Stand von 1997 vor der Einsparung ausgelöst durch Aktenstück 98. Ob Mittel für Stellen bereitgestellt werden, muss die Synode entscheiden. Das Ende 2018 auslaufende Erprobungsprojekt muss weiter laufen. Der Markt für Baufachpersonal ist leergefegt. Die vorhandenen Stellen müssen wir halten.

Wie geht es mit der KiTa – Finanzierung weiter?

Bereits 80% der KiTas sind im von der Landeskirche propagierten Trägermodell organisiert. Ab 2023 werden Gemeinden ohne Trägerschaft bluten. Es wird die Bewegung in die Trägerschaft empfohlen. Gruppenpauschalen werden gesenkt, um die erhöhte Pauschale für pädagogische Leitungen zu finanzieren. Dieser bewusste Umsteuerungsprozess birgt ab 2023 das Risiko der Kürzung der Gruppenpauschalen für in gemeindlicher Trägerschaft (20% der Kitas in Landeskirche) befindliche Kitas. Das vorgelegte Finanzierungskonzept ist ein Anstoß bzw. Druckmittel, sich dem Trägermodell anzuschließen. Die paar unbeugsamen Kitas in gemeindlicher Trägerschaft finanzieren die pädagogischen Leitungen im Verband, genau das, was sie nicht wollen. Nach intensiven Beratungen werden den drei Kirchenkreisen (Emsland-Bentheim, Stolzenau-Loccum und Stadtkirchenverband Hannover), denen durch die Umstrukturierung besondere Nachteile erwachsen, eine Übergangsregelung geschaffen. Den Kitas in gemeindlicher Verantwortung in der gesamten Landeskirche wird der Zugang zu Fachberatung und Beratung für religionspädagogische Arbeit bis 2022 mittels einer Fondslösung verschafft. Voraussetzung ist, dass diesbezüglich ein Kooperationsvertrag mit einem KiTa-Verband oder Kirchenkreis als Träger abgeschlossen wird.
Abwicklung oder Aufbruch – wie geht es mit unseren Friedhöfen weiter? 70 % der Kirchengemeinden haben einen eigenen Friedhof zu verwalten. Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte lang fielen uns die Toten sozusagen von alleine in die Gräber unserer kirchlichen Friedhöfe. Überhangflächen aufgrund zunehmender Urnenbestattungen, die im Verhältnis zu den herkömmlichen Sargbestattungen nur noch ein Drittel an Platzbedarf haben, das Entstehen von Friedwäldern, Ruheforsten etc. haben seit 15 Jahren die Dynamik in die Entwicklung auf unseren Friedhöfen gebracht. Früher äußerte sich das christliche Gepräge eines Friedhofes durch die Grabsteininschriften. Das ist vorbei. Friedhofsträgern obliegt nun evangelisches Profil sichtbar zu machen. Da ist unsere ökologische Chance. Kirchliche Friedhöfe sind große Flächen in exponierten Lagen, auf deren Gestaltung die Kirchengemeinden Einfluss haben. Kirche will die Schöpfung bewahren. Die Förderung der Artenvielfalt, der Nutzerwunsch nach naturnah gestalteten Flächen bei kostengünstigen Lösungen und gleichzeitiger Attraktivitätssteigerung des Friedhofs, das können Kirchengemeinden gewährleisten. Kirchliche Friedhöfe sind Verkündigungsorte, eine geistlich überzeugende Trauerfeier ist eine der wirksamsten Möglichkeiten, die Glaubwürdigkeit von Kirche zu erhöhen. Aufbruch, nicht Abwicklung ist das Credo.

Wie geht man mit Glocken mit nationalsozialistischen Symbolen um?

Es ist nicht hinnehmbar, zu einem Gottesdienst mit Glocken mit nationalsozialistischen Symbolen einzuladen. Was lernen wir aber aus menschlichen Gemütslagen in den betroffenen Gemeinden einerseits und über die Entscheidungsfindung in der komplexen Struktur der Landeskirche andererseits? Moralisch müssen die Glocken entfernt werden. Demgegenüber steht das Prinzip der Subsidiarität, der Eigenverantwortlichkeit einer Gemeinde. Es kommt jetzt, nachdem die Glocken auf Kosten der Landeskirche ausgetauscht werden, darauf an, mit den Menschen vor Ort im Gespräch zu bleiben und sich mit der Situation offensiv auseinanderzusetzen.

Der Bischofsbericht

... zog ein Zwischenresümee nach sieben Amtsjahren in 26 Fragen, die er stellte und auch gleich beantwortete.

Sonst noch:

§2 b UStG, die Umsatzbesteuerung kirchlicher Körperschaften betrifft bereits alle Umsätze seit dem 1.1.2017. Im Augenblick gelten aber noch Übergangsregelungen. Ab 2021 werden die kirchlichen Körperschaften stärker betroffen sein, als bisher. Im ersten Schritt werden die Gemeinden schauen müssen, welche Einnahmen habe ich vor Ort. Im zweiten Schritt kommt die Entscheidung, welche Einnahmen behalte ich und im dritten Schritt wird die Umsatzsteuerpflicht festgelegt.

Im Lektoren und Prädikantengesetz wird die Altersbeschränkung aufgehoben.

Zum 1. Advent wird es eine neue Perikopenordnung geben. Die letzte Änderung erfolgte 1977. Der Anteil des AT wird auf ein Drittel am Gesamtanteil verdoppelt. Mindestens ein Lied wird zur Auswahl aus dem 20. Oder 21. Jahrhundert angeboten. Die Predigtreihe enthält nun Texte aus allen drei Bereichen. Im Kirchenjahr ist die Weihnachtszeit jetzt stabil bis Maria Lichtmess. Die neuen Lektionare werden auf Kosten der Landeskirche zur Verfügung gestellt.

Soll vor dem Hintergrund, dass wir seit Jahren ständig Kirchenglieder verlieren nicht die Gemeinwesendiakonie wieder belebt werden?
Allgemeine Wohnungsnot bewegt die Synode dazu, einen Fonds „Gemeindliche Quartiersentwicklung“ einzurichten. Mit den Mitteln sollen Entwicklungs- und Planungskosten für Projekte in den Gemeinden gefördert werden können.

Zum Jahr der Freiräume in 2019 regt der Bischof an, sich auch zu fragen: Was wirkt nicht nur Kirchenintern, sondern auch nach außen? Prof. Wilk wünschte sich mehr Klarheit im Leitgedanken zum Jahr der Freiräume.

03. Juni 2018 Gunda Dröge