14-02-20_GOK-02

Foto: hsd

IX. Tagung

Synodensplitter – Novembersynode 2017
von Gunda Droege
Kirchensenatorin/Mitglied der GOK
 
Zum Stand der Verfassungsdiskussion:
Die Seite www.Kirchenverfassung2020.de hat bislang 235 Kommentare, 4.500 Nutzer und 34.000 Aufrufe erfahren. Die Präambel und Art. 3 (Kirchliches Leben) wurden am häufigsten angeklickt. Seit dem Sommer sind 65 Vorträge in den Kirchenkreisen von Verfassungsausschussmitgliedern gehalten worden. Vor allem folgende Stichpunkte fanden Aufmerksamkeit:
Die Benennung von Personalgemeinde verunsichert – aber die Ortsgemeinde erreicht nicht mehr alle Menschen und auch umgekehrt entscheiden sich Menschen, in Personalgemeinde ihre Heimat zu finden.
·      Die Debatte über den theologischen Grundansatz erfolgt mit eher zustimmender Tendenz.
·      Die Diakone/innen, Lektoren/innen sind Personengruppen, die sich nicht aufgenommen fühlen.
·      Soll der Superintendent in der Kirchenkreissynode Stimmrecht erhalten?
 
Bis zum 31.12.17 ist die Seite noch geöffnet. Am 9./10.3.18 wird für jeweils zwei Interessenten pro Kirchenkreis, wovon einer ehrenamtlich sein sollte, eine Auswertungstagung in Loccum stattfinden. In der Junisynode wird dann vom Diskussionsstand berichtet werden.
 
Zum Stand der Beratungen zur Neustrukturierung der landeskirchlichen Baufachverwaltung:
Seit 1997 wird die Baufachverwaltung umgebaut. Von der damaligen Zentralsteuerung ausgehend schuf man die Ämter für Bau- und Kunstpflege. Seit damals ist der Personalbestand um 50% gekürzt worden in der Erwartung, dass sich der Gebäudebestand von ca. 8.000 Objekten verringere. Das hat sich als falsche Annahme herausgestellt. Im Gegenteil, die Bautätigkeit wurde mit Geldflüssen für energetische Aufrüstung und zugunsten der Attraktivität des Pfarrhauses angeregt.
Die strikte Trennung von baufachlicher Arbeit und den Steuerungsprozessen mit Hilfe des Gebäudemanagements in den Kirchenkreisen trägt zur Transparenz kirchenpolitischer Entscheidungen bei. Forderungen der Gemeinden nach Erreichbarkeit, Zeitnähe, Verlässlichkeit und Regionalität ist Gehör verschafft. Im Blick bleibt auch der Umsetzungsaufwand. Gleichwohl gibt es noch genug offene Fragen:
·      Wie kann eine dem Bauvolumen angemessene Personalausstattung gewährleistet werden?
·      Wer trägt die Kosten für freie Architekten? Die Inanspruchnahme der landeskirchlichen Baufachverwaltung darf den Bauträgern im Vergleich zur Inanspruchnahme freier Architekten keinen Vor- oder Nachteil bringen.
·      Und viele Fragen mehr.
 
Die Beratungen mit den Kirchenkreisen zum Thema Neustrukturierung der landeskirchlichen Baufachverwaltung wird Anfang 2018 erfolgen.
 
Zur Diskussion im Rahmen des IT-Konzeptes 2020 der Landeskirche:
…@evlkh.de statt dem bisherigen …@evlka.de – wie böse Zungen sagen „Landeskriminalamt oder Landeskrankenhaus“ oder doch vielleicht @landeskirche-hannover.de, die Überlegungen zur neuen Domain sind im vollen Gange. Nach über 7 Jahren legte das Landeskirchenamt durch Herrn Spier das Konzept vor. Technischer Wandel und Compliance machten das notwendig. Einige Folgen:
·      Rechnungen können vollkommen elektronisch bearbeitet werden.
·      Finanzielle Schäden, die durch Datenwiederherstellung entstehen, werden vermieden.
·      Das Kirchennetz wird neu strukturiert, erleichtert und stärker gesichert.
 
Zum Abschluss gab es das 1x1 für jeden:
·      Passwort nicht teilen
·      Privates und Dienstliches trennen
·      Nur klicken, wenn du sicher bist.
 
Ema – Evangelische Medienarbeit:
Herr Thon stellte das neue Kommunikationskonzept der hannoverschen Landeskirche vor. Veränderte Kommunikation und säkularisierter Kontext fordern dies ebenso, wie die Gedankenstränge:
Entweder ist social media oder sie ist nicht und das ist wörtlich zu nehmen. Die Landeskirche ist entweder in Twitter, Facebook, YouTube etc. oder die Jugend wird nicht mehr erreicht.
Beruflich- wie ehrenamtlich Tätige werden besser miteinander vernetzt.
Der Gemeindebrief ist momentan das Mittel der Wahl 72% der Kirchenmitglieder zu erreichen.
Zwei Mio. Zusteller verteilen den Brief. 6.500 Mitarbeiter layouten ihn. 96% all dieser Mitarbeiter sind ehrenamtlich unterwegs.

Zur Zukunft der Kirche:
EKD-Vizepräsident Dr. Gorski: “Es gilt neue Wege der Verkündigung der christlichen Botschaft in geändertem Umfeld zu finden. Hinzu kommen neue Formen der Gemeinde, die etwa durch Digitalisierung im Internet entstehen. Es gibt schon Netzgemeinden, da fühlen sich Menschen zugehörig zu uns.“
Der frühere Verfassungspräsident Prof. Dr. Papier erläuterte den verfassungsrechtlichen Hintergrund von Kirche. Der Anteil der Mitglieder der beiden großen christlichen Kirchen an der Gesamtbevölkerung Deutschlands ist unter die 60% Marke gesunken. Wir stehen vor dem weitgehenden Verlust an „volkskirchlicher Substanz“. Papier hält die vom Grundgesetz festgelegte Trennung von Kirche und Staat für ausreichend.
 
Zum Bischofsbericht:
Bischof Meister ruft dazu auf, den Reformationstag als neuen gesetzlichen Feiertag in Niedersachsen einzusetzen. Unsere geschichtliche Prägung und bleibende gesellschaftliche Herausforderungen zeigen dies mit dem Ziel gesellschaftlichen Zusammenhalts an. Die Synode stellte sich mit einem eigenen Antrag hinter diese Forderung.
Meister entschuldigte sich für die Diskriminierung Homosexueller. Die Kirche steht im Blick auf die Institution der protestantischen Ehe vor Neuorientierung. “Es geht nicht darum, die traditionelle Ehe leichtfertig infrage zu stellen, sondern sie zu öffnen“ so Meister. Zur liturgischen Behandlung - Handreichung zur Segnung oder Liturgie der Trauung, sagt Meister:“ Die Handreichung wird fortgeschrieben.“ De facto handelt es sich um eine Trauung, das Trauungsregister wird gemeinsam geführt. Rechtlich trauen wir, wenn eine staatliche Ehe geschlossen wurde. Bischof Meister: “Segnung ist Trauung…das biblische Bild von Ehe zwischen Mann und Frau ist ungleich. Wir stellen ein gleiches Bild daneben.“
Skeptisch äußerte sich Bischof Meister gegenüber anderen Formen der Elternschaft wie etwa der Leihmutterschaft. Für ein Kind bleibt auch im vorgeburtlichen Heranwachsen die Beziehung zu seinen Eltern entscheidend. Deshalb lehnt er jegliche Form der Leihmutterschaft strikt ab. Jedes Kind muss einen Anspruch auf seine Herkunft haben.
Zur geplanten Zeit der Freiräume 2019 sind alle ausdrücklich eingeladen, sich am Prozess der Vorbereitung und Gestaltung zu beteiligen. Unter www.freiraeume2019.de finden sie die Kontaktdaten. Es soll primär nicht eine strukturelle oder finanzielle Diskussion werden, sondern um Bilder über die Zukunft der Kirche gehen. Welche Beispiele haben Sie? Bischof Meister plant in 2019 durch unsere Landeskirche zu wandern.
 
Und sonst noch:
Unbestritten ist die hohe Bindungskraft von Kirchenmusik. „Sie ist nicht nur Verkündigung, sie ist Teil unserer Gesamtkultur“ so Dr. Grünwaldt.
Reformationsjubiläum – was bleibt? Die Erinnerung an eine starke Kampagne, die Bedeutung von Kirchenmusik, die Öffnung von Gemeinden gegenüber, Schulen, politischen Gemeinden, Vereinen etc., gute ökumenische Erfahrungen, der unglaubliche Einsatz von Haupt- und Ehrenamtlichen.
Zum VokationsG: 75% aller Schüler an allgemeinbildenden Schulen nehmen am Religionsunterricht teil. Der Lehrkräftebedarf ist groß und in Zeiten des Lehrermangels nicht gedeckt. Die Vokation beim fachfremden Einsatz soll nicht zur Regel erhoben aber möglich gemacht werden und ist daher zeitlich begrenzt.
Voll- und Zusatzversorgung der kirchlichen Mitarbeiter: 700.000 Mitarbeiter/innen sind in Deutschland bei der evangelischen Kirche beschäftigt. Um den vertraglich zugesicherten Versorgungsleistungen nachzukommen, haben die meisten Landeskirchen vor ca. 40 Jahren eigene Versorgungskassen gegründet. Die Versorgungskassen der ev. Luth. Landeskirche Hannover, die NKVK für die öffentlich-rechtlich Beschäftigten und die ZVK für die privatrechtlich Beschäftigten, sind mittel- und langfristig stabil. Die hierzu vorgelegten Vorausberechnungen sind konservativ erfolgt, so Dr. Krämer.
Der Pfarrerberuf soll attraktiver werden, um der Nachwuchsproblematik zu begegnen. Zur Zeit arbeiten etwa 1.800 Pastorinnen und Pastoren in der Landeskirche. Es ist zu erwarten, dass in den nächsten Jahren die Landeskirche um ca. 50 Pastoren/innen pro Jahr schrumpfen wird.