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Foto: hsd

VIII. Tagung

Frühjahrssynode: 3. - 6. Mai 2017

Wahlalter auf 14 Jahre herunter gesetzt

Synode nimmt sich Verfassungsrevision nach 50 Jahren vor 

Bericht: Gunda Dröge

LSA-Vorsitzender Surborg wirbt: Verfassungsreform soll Vielfalt in der Kirche ermöglichen

„Die Zeit des Übergangs von der Volkskirche zur Minderheitenkirche soll gestaltet werden“, so LSA Vorsitzender Jörn Surborg. „Leitender Gedanke bei der Verfassungsrevision ist, die Vielfalt und Kreativität in der Kirche zu ermöglichen.“ Als erstes hat die Synode das Wahlalter von 16 auf 14 Jahren rechtzeitig vor der nächsten KV-Wahl in 2018 entschieden. Der Vorschlag das Wahlalter zu senken stammte aus der gemeinsamen Synodensitzung mit der Jugendsynode im Jahr 2015. Darüber hinaus entschied die Synode, dass der Verfassungsänderungsvorschlag ohne das kirchenleitende Gremium Kirchensenat in die Diskussion in der Landeskirche eingeht. Ab sofort können flächendeckend alle Kirchenkreise und Kirchengemeinden auch über das Internet Änderungs- und Verbesserungsvorschläge zur Verfassungsrevision machen.

Finanzen

Kirchensteuern sind seit einigen Jahren erstmals gesunken. Es sind 4,4 Mio € weniger als im Jahr zuvor. Die Auswirkungen des Abgasskandals und die Folgen für die Mitarbeitenden des VW-Konzerns haben dazu geführt. Die Ausgaben 2016 betrugen insgesamt 631,3 Mio €. Der größte Posten von 456,7 Mio € floss in das Gemeindeleben und den Pfarrdienst. Das Haushaltsjahr schloss mit einem Minus von 35,2 Mio € ab. Ursache ist vor allem die notwendig gewordene Rückstellung von 68,5 Mio € für die pensionierten Pastoren und Kirchenbeamten wegen des niedrigen Zinsniveaus.
 

Bischof Dr. Bode, Altbischof Hirschler, Bischof Meister
 Foto: Gunda Droege, GOK

Bischof Dr. Bode zu Gast in der Synode: Christen müssen im verdunstenden Glauben Kondensationspunkte schaffen

Donnerstagmorgen startete die Synode mit der Bibelarbeit von Bischof Dr. Bode (Bistum Osnabrück) in sieben Schritten zu Numeri 13/14 verbunden mit Gedanken zur Ökumene. Applaus gab es gleich zu Beginn bei den Worten „unser Reformationsjahr“. Einige Zitate:„In der gemeinsamen Sorge um den „verdunstenden Glauben müssen wir Kondensationspunkte schaffen. … Die hohe Sehnsucht nach Religiosität ist ungebrochen. Allein im Dom zu Osnabrück werden jedes Wochenende 1.200 Kerzen angezündet….Wir müssen uns der gemeinsamen Sendung als Christen bewusst werden. … Es gilt die Zeichen der Zeit zu deuten im Licht des Evangeliums. Ökumene bedeutet, dies gemeinsam zu tun…“Bode schloss mit den Worten:“ freut Euch, dass unsere Namen gemeinsam im Himmel geschrieben sind.“

Dr. Mainusch schwört ein: Nicht ein weniger, sondern ein anders ist nötig!

Dr. Mainusch gab den Bericht zum Planungsprozess in den Kirchenkreisen für den Planungszeitraum 2017 und 2022. „Das Instrumentarium des FAG ist etabliert und akzeptiert. Das Ziel den Verwaltungsaufwand zu verringern, ist allerdings verfehlt worden. Die kontinuierliche Planung wird fortgeführt werden. Überlegt wird, ob von dem 6jährigen Planungszeitraum zu dem 4 jährigen zurückgekehrt wird. Die Erfahrung mit dem 6-Jahreszeitraum und die Finanzrisiken, die eine so lange Zeitspanne birgt, könnten diese Rückkehr erzwingen. …Wir haben ab 2023 nicht nur ein Sommergewitter, sondern einen Klimawandel zu erwarten. Es steht keine neue Sparrunde, sondern eine grundsätzliche Änderung des Rahmens ins Haus im Hinblick auf Säkularisierung und Pluralisierung der Gesellschaft. Nicht nur ein weniger, ein anders wird notwendig. Weit über den Rahmen des FAG hinaus stellt sich dies als eine eminent theologische Frage.“

Synode 2017 - Skulptur Errichtung Twins
Bild: Gunda Droege, GOK 

Denkmal enthüllt - Ecclesia und Synagoga einträchtige "Twins - Zwillinge"

Donnerstagabend fand die Enthüllung der Skulptur „Twins – Zwillinge“ unter Anwesenheit des Künstlers Johan Tahon, Rabbi Dr. Gabor Lengyel, Prof. Dr. Ursula Rudnik und der Präsidentin des Landeskirchenamtes Dr. Stephanie Springer neben dem Gebäude des Landeskirchenamtes in der Roten Reihe statt. Im Jahr 2015 hatte es einen internationalen Künstlerwettbewerb zum Thema Ecclesia und Synagoga gegeben.

Bischof Meister im Bischofsbericht: Kirche ist ein wichtiger Akteur im demokratischen Gemeinwesen

Ralf Meister wirbt in seinem Bischofsbericht am Freitag für mehr Bürgerbeteiligung. „Wir als Kirchen sind ein wichtiger Akteur in der Stärkung unseres demokratischen Gemeinwesens.“…Innerhalb der Kirche müsse das Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen noch besser gestaltet werden. … Martin Luthers Priestertum aller Getauften ist so etwas wie die Keimzelle von vielen Überlegungen und Initiativen, die wir unter Bürgerbeteiligung verstehen.“ Bischof Meister gibt zu bedenken:“ Nehmen wir ausreichend unser Quartier, unsere Kommune, unser Dorf als Ganzes in den Blick?“ Im Rahmen der Wohnungslosenproblematik ruft Bischof Meister dazu auf, das diakonische Quartiersmanagement wahrzunehmen. Abschließend lud er zum Jahr der Freiräume ein.

Weitere Themen der Frühjahrssynode:

Der Umgang mit kirchlichem Pachtland steht im Spannungsfeld zwischen Pachtpreis und Auswahl der Pächter zum Werterhalt der Flächen. Musterpachtvertrag und die Durchführungsbestimmungen ebenso wie die Handreichung für Kirchenvorstände unterstützen beim Umgang mit Kirchenland.

Der IT-Bericht durch Schwerpunkteausschussvorsitzenden Hasselhorn fokussierte eine einheitliche IT-Adresse sei notwendig. Bei der IT-Ausstattung müsse eine Prioritätenfestlegung zwischen hoher „Verführungsqualität“ im Sinne von hochwertiger Ausstattung und hoher Standardisierung in der Fläche mit begrenzten Mitteln stattfinden. Die Standardisierung von Software sei auch schon wegen dann verbessertem Support notwendig.

Auf die Verrechnung einer Pfarrstelle nach §10 FAG im Falle einer Vakanz mit der Gesamtzuweisung, wird verzichtet.

Die Synode gibt ein Gesetz in Auftrag, in dem die Altersbeschränkung im Lektoren und Prädikantengesetz aufgehoben werden soll.
Die Synode verabschiedet weitere Schritte auf dem „Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens“ (Handreichung, Bedenken des Themas bei Verlautbarungen von Kirche, 600.000 € aus dem Jahresabschluss für 2016)

Im Bericht zum Thema „Inklusion für Kirchengemeinden und Kirchenkreise“ sagt Künkel:“ Inklusion heißt grundsätzlich Partizipation…. Wo beteiligt sich Kirche an diesem öffentlichen Prozess?... Hinkommen – reinkommen – klarkommen – so geht Inklusion… Es geht darum, dass man langsame Fortschritte macht. Gemeinden haben sich exemplarisch auf den Weg gemacht.“

Zum Änderungsantrag betreffend das Gleichberechtigungsgesetz gab es eine lebhafte Diskussion. Bislang durfte die mit der Gleichstellungsbeauftragung versehene Person nicht gleichzeitig Mitglied der Mitarbeitervertretung sein. Zukünftig wird hier eine Sollvorschrift empfohlen. Hella Mahler, Gleichstellungsbeauftragte der Landeskirche, gab zu bedenken, dass der unterschiedliche Beauftragungshintergrund zu Entscheidungskonflikten führen könne. Für die Änderung sprachen pragmatische Erwägungen bei der Schwierigkeit Gleichstellungsbeauftragte zu finden. Die Sollvorschrift setzte sich durch.